Mittwoch, 6. Januar 2010

Realitäten

als ich mich letztens verlaufen habe, kam ich auch an einer interessanten, wenn auch nicht gerade tollen Szenerie vorbei: ein altes verkommenes Haus war irgendwann mal auf ein Auto gefallen - und natürlich ist das auch real hier in Kairo, genauso wie die Pyramiden real sind oder ein paar herausgeputzte Moscheen - also machte ich gleich mal ein Photo - mehr war nicht möglich, weil ein Polizist, der vorbei kam, erklärte, das sei verboten. Ich sagte zwar, auch das sei real, genauso wie die Pyramiden real seien, aber er machte mir deutlich, dass ich nicht weiter photographieren dürfe und wich nicht von meiner Seite, bis ich den Ort verlies - ich konnte auf eine größere Diskussion locker verzichten, weil ich ja wusste, dass ich schon dieses Photo hier hatte, aber ich habe keine Ahnung, was passiert wäre, wenn ich das nicht gehabt hätte, denn so wie ich mich kenne, hätte mich dieses "Verbot" erst recht angeregt, ein Photo haben zu wollen, gleichzeitig hätte der folgsame, fast ängstliche Staatsbürger, sich kaum den Anweisungen eines Polizisten widersetzen wollen.

auch wahr - also part of the reality - bu da gercek

Na, ich hatte mein Photo, also konnte ich genüsslich weiterziehen und mich in der Gewissheit gefallen, die Augen vor der Realität nicht verschlossen zu haben und auch die Seiten zu zeigen, die dem offiziellen Ägypten nicht so recht sind wie eben die Pyramiden oder ähnliche Tourismus-Broschüren-Bilderchen (die ich ja auch ohne Ende liebe un dzu machen versuche ;-)

Chipkarten und so*ne Probleme ...

... habe ich nicht: heldenhaft habe ich es einfach ausprobiert, vor allem, weil mir B., der Samstag kommt, sicher auch Bargeld mitbringen könnte für den Fall, dass auch meine Karten mit dem Jahr 10 nicht klar kämen. Ich habe zwar noch reichlich Bares zu Hause (hatte ich damals mit I. und A. getauscht, die ja ihr ägyptisches Geld in Euros umtauschen mussten zwecks Rückkehr), aber testweise habe ich im Automaten Geld gezogen und ohne Probleme bekommen - zumindest bei diesem einen Automaten zumindest heute.
Und nach dem Fiasko damals in Spanien ( http://stueckzeit.twoday.net/stories/5678159/ ) achte ich inzwischen darauf, immer eine Reserve für ein paar Tage in bar zu haben, auch wenn es andererseits ein seltsames Gefühl ist, immer irgendwo einen Packen Bares in der Wohnung zu haben (und nein, wo ich wohne, verrate ich hier nicht, ätschbätsch - und es würde sich auch nicht lohnen, mich ausfindig zu machen, meine Reserven mögen für eine Woche reichen, lange genug eben um mir genug Spielraum zu verschaffen, im Notfall an Geld zu kommen, mehr aber auch nicht, und in Spanien damals war es ein verlängertes Wochenende, das ich ohne Geld da stand, mehr auch nicht, und im Notfall würde es auch jetzt wieder so funktionieren).

Beruhigend ist es trotzdem zu wissen, dass die Karte offensichtlich funktioniert.

Dienstag, 5. Januar 2010

verlaufen ...

habe ich mich gestern ganz heftig: vom Ägyptischen Museum aus wollte ich in einen bestimmten Laden, der bekannt dafür ist, gut zu sein - nicht gar zu teuer, mit einer großen Auswahl an Sachen, die Leute gerne einkaufen, wenn sie hier in Kairo zu Besuch sind und Mitbringsel suchen, genau der Laden, den ich gerne wiederfinden würde, wenn ich demnächst Besuch habe ...
Na gut, hjabe ich nicht gefunden un dbin statt dessen einfach so durch die Gegend geschlendert - irgendwann wollte ich dann einfach mal nach Hause wandern, Hunger hatte ich, einen Kaffee hätte ich gerne getrunken, also wanderte ich fröhlich los in der Richtung, in der ich mein Viertel vermutete - und stellte bald fest, dass ich absolut keine Ahnung hatte, wo ich war, in welche Richtung ich müsste, auch nur, wo ich irgend einen bekannten Ort finden würde.
Gemütlich irrte ich also durch Kairos Altstadt und verstand immer weniger, wo ich war.
Also überlegte ich mir, dass ich mir bei Gelegenheit ein paar Sachen einprägen muss, ein paar Gebäude, die man überall sehen kann, ein paar Kreuzungen, ein paar andere Orientierungspunkte - und dass ich mir überlegen müsste, wie die Stadt ausgerichtet ist im Hinblick auf Himmelsrichtungen und so (und klar, ich hätte fragen können, wenn ich am Nil bin, finde ich auch wieder nach Hause, aber dazu war ich einfach zu eitel).
Und dann fiel mir ein, dass ich doch letztens mehr oder weniger gegen die Sonne photographiert hatte, auf der Brücke über den Nil, dass ich also einfach der Sonne entgegen wandern müsste, um wenigstens den Nil zu finden - und das, obwohl ich nie Pfadfinder war. Richtig stolz war ich auf mich, hatte dann aber das Problem, dass ich inmitten der Stadt mit Häusern von mindestens 7, 8 Stockwerken, nirgends die Sonne sah ;-)

Aber ja, irgendwann funktionierte es dann tatsächlich, ich fand den Nil, ich fand nach Hause. Und jetzt kenne ich wenigstens einen Trick, der mir bei der Orientierung hilft, zumindest, wenn ich in Kairo in Nilnähe unterwegs bin und es gegen Abend wird, also die Sonne im Westen steht (steht sie da abends? Nun, auf jeden Fall steht sie über Giza, von Kairo aus gesehen, und da wohne ich schließlich, und da finde ich dann hin ...

(Aber die Achillessehne, die tat ganz schön weh, und regelmäßig muss ich solche Spaziergänge nicht haben, nee nee nee):

Sonntag, 3. Januar 2010

Tatort

Nach 10 Jahren Tatortabstinenz kann ich nun, als glücklicher Besitzer eines Satellitenempfängers, auch Tatorte sehen - spannend das.

Ganz schön verändert haben die sich, früher waren sie so schön einfach, es gab den bösen Täter und die guten Kommissare, die ihn am Ende fanden. Heute gibt's Täter, die von Anfang an bekannt sind und KOmmissare, die nix peilen - aber dafür so aussehen, als würden sie in Jesu' direkter Nachfolge alles Leid dieser Welt mit sich herumschleppen ...
Ein wenig verwirrend war er, der heutige Tatort, sehr interessant, aber dieses Ende, bei dem Kommissare und Mörder in bester Wachturm-Manier sich ein Abschlussbild teilen in friedlicher Koexistenz (wie ebend jene naiven Bildchen der Zeugen-Pamphlete, in denen Löwe und Rehkitz sich herzallerliebst bekuscheln), nein, dieses Ende ist nicht das, das ich für diese Geschichte geschrieben hätte ...

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Taxizeiten als neues Thema?

Es sieht so aus, als wären meine kleinen Abenteuer mit den unterschiedlichsten Taxen hier in Kairo ein eigenes Thema.
Na, bevor ich jetzht so eine neue Rubrik eröffne., tippsele ich lieber noch so eine Geschichte hier hinein:

Weil ich immer sehr spezielle Sachen haben will für meine Computer und Photosachen,. bin ich auch öfter mal unterwegs zu speziellen Läden, die es auch hier in Kairo gibt, allerdings mit weniger Auswahl als z.B. in Istanbul oder in deutschen Großstädten (ok, die Hauptstadt hessisch Sibiriens zählen wir einfach mal nicht dazu ...). Diesmal musste ich also in die "Computer Mall" - meinem alten Wohnhaus gegenüber, also jetzt auf der ganz anderen Seite der Stadt - und natürlich fährt man da Taxi, es gibt wohl auch Busse oder "Sammeltaxen" oder wie auch immer sich diese von Wahnsinnigen chauffierten Selbstmordschüsseln in Kleinbusform nennen, die dort hin fahren würden, mit sieben mal umsteigen aber für ein paar Cent, aber verwöhnt wie ich bin, ziehe ich das Taxi vor, das mich dann zumindest bequemer auch zu meinem Ziel bringt und immer noch erschwinglich ist.
Also winkte ich mir ein Taxi heran. stieg ein und los ging die Reise, auf dem üblichen Weg zwar aber nach einiger Zeit sah ich auf dem Taxameter die wunderliche Zahlenkombination 4,20 - und dann ziemlcih schnell danach auch 7,20, Kombinationen, die unmöglich sind, wenn alles mit rechten Dingen vor sich geht, der Startpreis liegt bei genau 2,.5 Pfund, der steigert sich dann je nach Fahrtstrecke oder Wartezeit in Schritten um 0,25 Pfund, also sind zahlen, die mit -,20 enden, unmöglich. Und genau das sagte ich dem Fahrer, der erst so tat, als verstünde er nichts, dann aber einsah, dass ich ihn ertappt hatte, als ich ihm schriftlich vorführte, dass sein Taxameter eine falsche Zahl anzeigte (und die Preissteigerung war tatscählich arg schnell auf einer Strecke, die ich schon öfter gefahren bin, auf der ich also weiß, was die Taxameter anzeigen sollten, wenn alles mit rechten Dingen zugeht). Dann war der gute Mann auch gleich bereit, den Taxameter auszuschalten, wenn ich mich auf einen Festpreis einließe - er wollte 40, ich weiß aber, dass die Fahrt normalerweise um 28 bis 30 kostet, so dass ich also meistens 35 Pfund zahle, ein kleines Trinkgeld finde ich durchaus angemessen, wenn ich eine bis zwei Stunden in so einem Auto sitze und dafür gerade mal 3,80 Euro oder so zahlen soll. Nach inigem Feilschen hatte ich den guten Mann also bei 30 Pfund, wobei ich ihm sagte, dass das schon der Preis inclusive Trinkgeld sei (keine Ahnung, wie viel er davon verstand, aber gesagt habe ich es zumindest ;-)
Auf der verbleibenden Fahrt kontrollierte er dann immer mal die Anzeige seines
Taxameters, den er bei unseren Verhandlungen wieder auf null gestellt hatte, wohl fürchtend, dass die kleine Preisverstellerei ihn zu viel kosten könnte - aber als wir dann endlich ankamen in Nasr City nach einer Fahrt, bei der er versuchte, mich mit irgnedwelcher lauter Musik zu beglücken, und ich ihm seine 30 Pfund plus ein kleines Trinkgeld gab, war er durchaus zufrieden - wie gesagt, die Fahrt kostet normalerweise das selbe, wie wir ausgemacht hatten, er verdiente also ganz normal an der Fahrt, hätte viel weniger verdient, wenn ich nach seiner Spielerei einfach ausgestiegen wäre - und wäre ich statt eines fremdländischen Blondchens ein innländischer Zivilpolizist gewesen, könnte so eine Spielerei wohl um einiges unangenehmer werden ...

OK, um potentiellen Besuchern noch ein wenig die Angst zu nehmen:
Gestern Abend auf dem Rückweg hielt ich ein Taxi an, der Fahrer war zwar gerade dabei, während des Fahrens seinen Salat aus dem Plastikbecher zu mampfen, sang dann später unsäglich nervige Lieder mit, deren Harmoniestruktur mir völlig fremd und unverständlich ist, aber er fuhr insgesamt sicher, hielt sogar relativ viel Sicherheitsabstand und hatte das Verkehrsgeschehen in der Regel schon genau im Blick. Und er fuhr zwar einen sehr ungewohnten weg von Nasr City nach Agousa, fuhr über Heliopolis, an meinem kleinen Privatindien vorbei, erklärte mir auch ab und an mal wo wir waren, was es besonderes zu sehen gäbe, aber insgesamt war der Weg, der anfangs wesentlich länger und komplizierter anmutete, weniger mit Staus belastet und wohl auch ni9cht wesentlich weiter, insgesamt waren wir trotz Hauptverkehrszeit sehr schnell bei mir zu Hause. Und in Agouza kannte er dann auch das Ballontheater, verstand, dass ich dort in eine Nebenstraße wollte, ...

Richtig positiv überrascht war ich vor einiger Zeit, als ich noch in Nasr City wohnte und nach Agouza musste (zur Vertragsunterzeichnung): Der Fahrer wusste nicht nur, wo Agouza ist, wo dort das Baloon-theatre zu finden ist, sondern er fuhr auch für ägyptische Verhältnisse überaus vorsichtig und vorausschauend, soweit ich mich erinnere, hupte er kein einziges mal, er sprach auch recht gut Englisch (das hatte er bei seinem Studium für Kunstwissenschaften gelernt), hatte mich gebeten einzusteigen und hätte mich offensichtlich überall hin gebracht im Gegensatz zu vielen Taxifahrern, die gerade in der Hauptverkehrszeit nur in ihrem Viertel bleiben und gerade solche Strecken wie die in die andere Seite der Stadt, vermeiden und einen einfach stehen lassen, wenn ihnen das Ziel nicht genehm ist, ...
Zufälligerweise wohnte der gute Mann dann auch noch in der Nähe meiner zukünftigen Wohnung aber ich Idiot habe seine Telephonnummer verschlampt.
Von ihm erfuhr ich dann auch, wie viel so ein Taxifahrer arbeitet und was er verdient:
Er arbeitet als Besitzer des Taxis von Morgens bis Abends um 7 Uhr, dann übernimmt sein Kollege. Für die Frühschicht verdient er in der Regel 100 bis 120 Pfund (bis zu 15 Euro also), wovon er 60 zurücklegt für das Auto, für den Kredit, für die Wartung, für den Sprit usw.
Von seinem Kollegen kassiert er dann noch 65 Pfund am Tag. Das Taxi bringt also täglich ca. 180 Pfund, 5400 im Monat, 675 Euro, von denen dann eine dreiköpfige Familie leben muss, von denen das Auto bezahlt wird, usw. Aber für Ägypten ein weit überdurchschnittlicher Verdienst (ein festangstellter Fahrer ist für 1000 Pfund schon gut bezahlt!)
Und wenn ich mir diese Zahlen anschaue und mir vorstelle, dass die Leute auch nur eine Ahnung haben, was ich verdiene, dann kann ich mir auch gut vorstellen, wie groß die Versuchung ist, unsereinen etwas zu viel zahlen zu lassen ...

Dienstag, 29. Dezember 2009

Taxifahrer überfordern

ist ganz einfach: sage ihnen, wo du hin willst (das Palästinensische Krankenhaus ist ein eher bekanntes und das größte in seiner Umgebung, der Stadtteil Heliopolis ist einer der weltweit bekanntesten Stadtteile Kairos), zeige dem Taxifahrer, der immerhin Heliopolis verstanden hat, dieses Krankenhaus auf einem Stadtplan, nachdem er Palestinian Hospital und filistin Hastane nicht verstanden hat und erkläre auch dem Passanten, den der Taxifahrer fragt, wo du hin willst, der es dann wiederrum dem Taxifahrer erklärt und verlass dich darauf, dass der Taxifahrer immerhin bis nach Heliopolis findet um dort irgendwo bei dem größten Hotel, das er dort kennt, stehen zu bleiben und dir zu erklären, du seist angekommen - und egal, was du ihm auf dem Stadtplan zeigst, egal was du zu erklären versuchst, der ärmste ist mit so neumodischem Kleinkram wie einem Stadtplan völlig überfordert, versteht ganz offensichtlich nicht, dass man da sehen könnte, wo man gerade ist, wo der Fahrgast hin will, selbst wenn er auf den Standort zeigt, auf Baroons Palace, was er ja doch versteht, und dann auf das gewünschte Ziel - nein, in Heliopolis gibt es dieses eine bekannte Hotel, fertig ...

(ok, zu Fuß brauchte ich dann doch noch 20 Minuten, wobei ich zwar fünf mal nach dem Weg fragte und sieben verschiedene Auskünfte bekam, selbst in der Apotheke wusste die gute Frau nicht, wo dieses Krankenhaus wohl zu finden wäre - ich fand mein Ziel einfach indem ich geradewegs der Nase nach ging bzw. dem Gefühl, in welche Richtung ich ungefähr gehen müsste ...)

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Umzug

ich glaube, irgendwann muss ich mal zählen, wie oft ich schon umgezogen bin in meinem Leben - könnte zwar sicher auch mehr sein, aber ich kann mir vorstellen, dass ich durchaus über dem Durchschnitt liege ...

(gesagt getan:
W -> D
D-> KS
KS-> Usch
Usch-> Bodelschw.
Bodelschw -> Frankf.
Frankf -> Kohlenstr
Kohlenstr. -> Merthyr
Merthyr -> Kohlenstr.
Kohlenstr. -> kleiner Holzweg
kleiner Holzweg -> Kirchd.
Kirchd. -> Dragos
Dragos -> Neyzenbasi
Neyzenbasi -> Cesme-i kebir
Cesme-i kebir -> Nasr City
Nasr City -> Agousa

Na, das ist doch harmlos, gerade mal 15 mal - durchschnittlich alle 3 Jahre - aber so lange werde ich wohl hier in Agousa nicht aushalten.

Und diesmal ging es nur auf die andere Seite des Nil, also von Afrika nach Afrika, in Istanbul wäre das ein kleiner Hüpfer über den Bosporus, also von Europa nach Asien oder umgekehrt gewesen ...




stimmt schon, manchmal vermisse ich Istanbul schon ...

Montag, 21. Dezember 2009

keine Bilder

aus Bethlehem, die Kamera war kaputt und dann auch noch zu Hause vergessen - ein paar Photos aus Jerusalem sind einigermaßen was geworden trotz Objektivschadens, die kommen irgendwann noch einmal ...
Und trotz Kameraausfalls und des daraus resultierenden durchgängigen Gefühls, nackt gewesen zu sein:
Bethlehem und Ramallah sind absolut geil, ich kann mir gut vorstellen, in beiden Städten zu leben - und nein, es ist normalerweise nicht gefährlich, es fühlt sich dort sehr gut und sicher an, trotz der Check-points, trotz der Siedler auf den Bergen mit ihren Utzis und Maschinengewehren, trotz der Polizei überall - auch die palästinensischen Gebiete sind bewohnt von Menschen, die sich irgendwie in ihrem Alltag, dort eben den eines besetzten Landes, zurecht finden müssen und dann sogar noch lachen können dabei und freundlich sein und Spaß machen ...
Und für Israel gilt genau das selbe: die Politik macht die Länder, die Menschen kaputt, aber die Menschen, die ich dort getroffen habe, waren allesamt nett, zuvorkommend, höflich, ...
(na gut, von den Soldaten mal abgesehen, aber ich glaube, deren job ist es, unausstehlich zu sein ...).

Terrorist Erik-n

Israel und zurück mit Hindernissen

„Lass dir auf gar keinen Fall einen Stempel in deinen Pass geben,“ war der kluge Rat, den mir alle gaben, die schon mal in Israel oder Ägypten waren – der Stempel und das Langzeitvisum für Ägypten war ja schon im Pass, dumm gelaufen.

Und natürlich sah die nette, junge, entzückende und vor allem gut gedrillte Kontrollfee vom Israelischen Sicherheitsdienst oder Geheimdienst oder wie auch immer man das nennt, diesen Stempel, verschwand zu ihrer Chefin um die zu informieren, dass da ein offensichtlich verdächtiger Fall vorlag, und eine Verhörprozedur von 45 Minuten nahm ihren Anfang, nach der ich mir selbst kaum noch glauben konnte, klang doch die Geschichte, die ich erzählte einfach viel zu erfunden um wahr sein zu können. Aber davon habe ich am Donnerstag ja schon berichtet.

Viel lustiger aber war es, als ich versuchte, das gelobte Land zu verlassen: Natürlich fiel jenes Ägyptenvisum sofort auf (ist ja auch über eine ganze Pass-Seite geklebt) – natürlich ließ man mir gleich eine gesonderte Behandlung angedeien: Extra-Röntgenmaschine, vor die ich an der Schlange vorbei geführt wurde, der Computer wurde gleich drei mal durchleuchtet (funktioniert aber immer noch, ätschbätsch), dann ab mit dem armen Erik-n in die Extraschlange zur Nachuntersuchung seines Gepäcks. In der Schlange fragte dann der gute Mann hinter mir nach, was ich denn angestellt hätte, dass die Befragung bei der Passkontrolle so lange gedauert habe: Er hatte auch in der Schlange hinter mir gestanden und geduldig warten müssen.
Meine Sonderbehandlung hatte dann den Vorteil, dass ich extra aus der Schlange geholt wurde und nicht warten musste, bis die Reihe an mich käme, immerhin ein Vorteil.
Ich hatte es tatsächlich geschafft, einfach nur mit einem kleinen Rucksack unterwegs zu sein, Handgepäck nur, trotz Kamera und Computer und auf dem Hinweg hatte das ja auch ohne Probleme funktioniert – also ging ich davon aus, dass der Spuk gleich vorbei wäre. Auf die Frage, warum ich denn extra aus der Schlange geholt worden wäre, sagte mir die junge Frau (bei mir waren es immer junge Frauen, bei der Dame nebenan ein junger Mann …), sie hätte mich ausgesucht, weil ich so nett aussähe … nein, weil mein Flug bald ginge (es war spätestens halb neun, der Flieger sollte um 11 starten) – aber nervös hat mich das noch nicht gemacht.
Ganz gemütlich wurde nun der Rucksack ausgepackt, jede schmutzige Unterhose nach versteckten Teilen abgetastet, jedes Teil einzeln untersucht, später auch noch jedes Teil einzeln geröntgt – immerhin konnte ich einen Blick auf das Tele werfen, jede einzelne Linse war afu dem Bildschirm zu sehen – aber nicht genug damit, mit einem Abreibesystem wurde jedes einzelne einigermaßen feste Teil sorgfältig abgerieben, bei Stoff und Ähnlichem ersparte sich die gute Frau die Mühe, funktioniert da wohl nicht.
Besonders spannend waren ja so Sachen wie mein I-Pod, das Telephon oder gar die Fernsteuerung für die Kamera, ein System aus Infarotsender für die Hand und -Empfänger für die Kamera, sehr suspekt, kann man mit so etwas doch bestimmt böse Sachen anstellen, den Piloten auf den Kopf schlagen (es wiegt bestimmt 50Gramm und ist aus Hartplastik) oder es vor der Stewardess auf den Boden werfen, auf dass sie stolpert und sich die Stirn irgendwo anschlägt, lauter Sachen, die ich regelmäßig mache. Warum sie mir aber nicht erlaubten, einfach vorzuführen, wie das Ding in Wirkloichkeit funktioniert, weiß´ich nicht, Mossads Wege sind unerforschlich.
Zwischendurch kam immer mal jemand vorbei um eine Frage zu stellen, in meinem Pass zu blättern (der auch mal eine halbe Stunde lang alleine durch die israelische Sicherheitswelt geisterte und Alarmsirenen heulen ließ).
Irgendwann reichte es nicht, dass meinem Gepäck die Sonderbehandlung widerfuhr, nein, ich durfte sie auch erleben: von einem jungen Mann, kaum der Pickelzeit entwachsen, wurde ich in ein Separé geführt, musste Taschen entleeren (ja, auch gebrauchte Papiertaschentücher werden kontrolliert), Jacke, Gürtel und Schuhe ausliefern, auf dass sie durchleuchtet würden, wurde dann noch einmal mit dem Metallsuchgerät genauestens abgetastet, meine Klamotten wanderten in die Durchleuchtung, ich durfte warten und mich mit dem Spiegel beschäftigen – wurde ich dadurch oder durch den Bewegungsmelder beobachtet, der in der Zelle hing? Nach einiger Zeit kam der junge Mann zurück, vermutlich frustriert, nach einem Wochenende, an dem ich die Schuhe nur von kurzen Schlafphasen unterbrochen getragen hatte, rochen sie sicherlich nicht mehr ganz taufrisch – und der ganze Aufwand wurde weder durch Sprengstofffunde noch die wundersame Entdeckung von panzer- oder menschenbrechenden Waffen belohnt, nicht einmal irgendwelche geheimen Dokumente waren zu finden, auch das wieder eine halbe Stunde erschöpfender, unbefriedigender Schatzsuche.
Aber damit nicht genug, als ich zu meinem Gepäck zurück gebracht wurde, durfte ich das meiste wieder zusammen packen, es fehlten nur Duschgel, Zahncreme, Kontaktlinsenreinigungscreme, insgesamt bestimmt 50 mL halbflüssiger Stoffe, die beim Hinflug auch im Rucksack gewesen waren, abgetastet und für gut befunden. Die drei Teile waren nicht mehr dabei, tragisch, da ich in ganz Kairo noch keinen Optiker gefunden hatte, der mich mit dem entsprechenden Linsenreiniger versorgen konnte. Aber zu meiner Erleichterung durfte ich dann die gigantische Kiste bewundern, in der diese drei Teile gelandet waren und die im Gepäckabteil des Fliegers mitreisen sollte, nachdem ich meinen Namen darauf geschrieben hatte, um sie wiederzufinden, wenn ich ankäme.

where's the bomb?

Diese Kiste durfte ich zwar (mit einem Kugelschreiber) beschreiben, nicht aber aufmachen um einen Blick hinein zu werfen – kurz überlegte ich mir, ganz querulant darauf zu bestehen, dass ich mit Gepäck, das ich nicht selbst gepackt hätte, wohl kaum fliegen könnte, würde man mir doch von israelischer Seite raten, genau das niemals nie zu tun, aber nach 1,5 Stunden, die inzwischen vergangen waren, verzichtete ich gerne auf diese kleine Stichelei, packte nur das, was die Untersuch-Fee schon an Klamotten in den Rucksack gestopft hatte „I tried to pack you lugage as far as possible for you …) wieder aus und untersuchte es ratzfatz, um es dann selbst wieder hineinzustopfen – und sie hatte tatsächlich nur die Klamotten geschafft, Kamera und Elektrik lagen noch neben dem Rucksack, der schon mit Kleidung fast voll genug aussah, aber ich hatte doch alles sehr schnell (unter sehr genauen Blicken des Wachpersonals, es waren zeitweise vier Leute direkt mit mir beschäftigt) wieder systematisch und zufriedenstellend klein eingepackt.
Nun, ich packte, war fertig zu gehen, bekam meinen Pass ausgehändigt und wollte von dannen ziehen, als ich von dem Sicherheitsjüngling dann nicht wirklich freundlich aufgefordert wurde, ihm zu folgen - wieder hatte die Sonderbehandlung den Vorteil, dass ich in keine Schlange warten musste, ratzfatz brachte mich der junge Mann durch den Check-In und führte mich dann zur Abgabe für sperriges und zerbrechliches Gepäck, wo meine Box abgegeben wurde, ohne dass ich die Chance gehabt hätte, sie anzufassen, danach brachte er mich in den Bereich, in dem die anderen Fluggäste nach der normalen, harmlosen durchleuchtung und durchsuchung ihres Handgepäcks ankommen, von da ab durfte ich dann alleine weiter gehen, spanned die Sicherheitsvorkehrungen für den Bereich: zuerst spricht man in ein verstecktes Mikrofon, was weiß ich nicht, das hat der gute Mann so geschickt gemacht, dass ich keine Zeit hatte, etwas mitzukriegen, dann wird die Ausweiskarte durch den Leser gezogen und zuletzt der Finger auf den Fingerabdruckscanner gelegt, alles unter den Augen eines weiteren Wachmanns, der die Türanlage nicht aus den Augen lässt. Nachdem die Tür sich geöffnet hatte, wurde ich hindurch geschickt und endlich meinem Schicksal überlassen – ich hatte nun ganz sicher keine Gelegenheit mehr, irgend etwas böses anzustellen – aber einen Kaffee konnte ich dann doch noch trinken, bevor das Boarding anfing.
Alles in Allem hatte der israelische Sicherheitsdienst ungefähr 1,5 Stunden gebraucht, mit mir fertig zu werden, um dann frustriert feststellen zu müssen, dass ich zwar sicherlich ein ganz ein schrecklicher Untäter bin, mir aber leider nichts zu beweisen war – und auf meine Frage, was denn das Problem gewesen sei, wurde ich nur rüde aufgeklärt, laut IATA sei das Mitführen jeglicher Flüssigkeiten verboten und ich hätte mich dem widersetzt – wahr ist, dass IATA nur Empfehlungen aussprechen kann und dass die entsprechende Empfehlung lautet, dass Flüssigkeiten in Behältern für jemals nicht mehr als 100 ML Füllmenge erlaubt sind, die in einem durchsichtigen Plastikbeutel mitgeführt werden sollten.
OK, ich gebe ja zu, ich hatte jenes Duschgel dabei, die Creme für die Kontaktlinsen und Zahncreme, jeweils winzige Verpackungen allesamt weit unter 100 ML und ich Gewaltverbrecher hatte sie nicht im Plastikbeutel – aber es wäre egal gewesen, ich hatte ein falsches Visum im Pass und war mehrmals in den palästinensisch verwalteten Gebieten gewesen, hatte dort die Folgen menschenverachtender israelischer Politik gesehen, hatte mit Palästinensern gesprochen, war sogar durch den Container-Checkpoint gekommen, der eigentlich nur Palästinensern vorbehalten ist (und das, lieber Mossad, ohne, dass dort jemand meinen Pass kontrolliert hätte, schon klar, dass ihr das mitbekommen habt, aber lächerlich ist euer Verhalten dann doch, nicht wahr?)

OK, genug.
Bei Gelegenheit werde ich dann wieder berichten, dass sowohl Israel als auch die palästinensischen Gebiete wunderschön sind, dass in beiden Gebieten nette Menschen leben, dass beide mehr als nur eine Reise wert sind – beide wohlgemerkt, schade nur, dass die offizielle israelische Seite sich mit Aktionen wie der hier geschilderten Willkür selbst weltweit lächerlich macht, schlimmer noch, sich viel schlimmer nach Außen präsentiert als die Menschen im Innern wirklich sind, abgesehen von wenigen extremen Idioten, die es ja bekanntlich überall gibt, in Deutschland genauso wie in der ganzen Welt und genauso wie in Israel oder den palästinensischen Gebieten. Bedauerlich, dass manche Staaten die Außendarstellung den Idioten stärker überlassen als den vernunftbegabten Einwohnern.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Sicherheit

Tatsächlich soll der Flieger gen Tel Aviv gleich los sausen, die peinliche Befragung des Delinquenten Erik N. Dauerte mindestens 45 Minuten (gefühlte Zeit ungefähr ein paar Jahre) und es war schon lustig, eine Geschichte zu erzählen und gleichzeitig zu wissen, dass diese Geschichte – der Indienteil zum Beispiel oder die absurde Tatsache, dass ich tatsächlich nichts schriftliches besitze, das nachweist, in wessen Auftrag ich warum unterwegs bin, nichts schriftliches, das wirklich bestätigen würde, dass ich in der Schule herumwerkele, nichts, was irgendwie belegen könnte, dass ich nicht aus welchen niedrigen Beweggründen auch immer unterwegs bin, dass die ganze Geschichte mit jedem weiteren Detail nur noch aberwitziger klingen müsste: Wer fliegt schon von Kairo über Israel nach Palästina um sich einen möglichen neuen Arbeitsplatz anzuschauen, wer kann schon von sich sagen, dass er in Kairo geparkt ist, weil die indischen Behörden aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen Visa für bestimmte neu geschaffene Stellen bzw. die Leute nicht erteilen, die diese Stellen ausfüllen sollen, wer arbeitet schon irgendwie in der Grauzone zwischen illegalem Aufenthalt, Schwarzarbeit, internationaler Hilfestellung, Kulturimperialismus oder wie auch immer man meine Tätigkeit bezeichnen mag, wer fliegt schon einfach mal so für`s Wochenende nach Palästina, dann auch noch kurz vor Weihnachten direkt nach Bethlehem und nennt sich gleichzeitig einen rechtschaffenen Ketzer und Atheisten,
Richtig schick finde ich ja den Indienteil. Ich würde das ja nicht glauben, wenn ich es nicht selbst erleben würde. Und nein, ich kann es nicht nachweisen, ich habe keine Belege, habe nichts schriftliches dabei, nur die Mail, die dem Zuwendungsbescheid zuvor kam – klar, die hätte ich finden müssen in der Aufregung, damit hätte ich wenigstens darstellen können, dass Indien nicht Phantasieprodukt ist.
Und die ganze Befragung führte eine nette junge Frau teilweise auf Deutsch, teilweise auf Englisch, sobald ihre Kollegin dabei war – und sie hatte ein richtig gutes Deutsch drauf, klang nach einigen Jahren Deutschland oder nach sehr guten Schulen. Und sie war richtig ugt, ihre Kollegin auch, egal, was ich auch erzählte, sie verloren nicht den Überblick, fragten mal hier, mal da nach, bohrten unauffällig .. .
Irgendwie habe ich offensichtlich bestanden, bekam das OK zum Flug, bekam ratzfatz den Ausreisestempel, Bordkarte und sitze nun im Cafe des Flugplatzes, wirklich gespannt auf die kommenden Tage, nicht nur wegen der Schule, an der ich vielleicht demnächst arbeiten werde, sondern auch, weil sich endlich jener alte Traum erfüllt, mal Jerusalem zu sehen – zwar nur für sehr kurze Zeit, aber ich werde es sehen und werde dann auch gleich noch die Wiege des Christentums erleben, aus einer Perspektive, die ich mir früher nie hätte einfallen lassen.
Genug, jetzt schnell online gehen, das ganze hier posten und einsteigen und mal eben nach Palästina fliegen ...

Aber ob ich mich nach dieser Prozedur nun wirklich sicher fühle, das weiß ich ja noch nicht ...

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