indische Zeiten

Mittwoch, 8. November 2017

Strandschnäppchen

Am Wochenende war ich wieder auf der Farm von Freunden, ganz nah am Strand der Coromandelküste zwischen Mababallipuram und Pondycherry.
Inzwischen habe ich mir angewöhnt, dort immer einen langen Spaziergang am Strand zu machen, damit ich wegen des guten Essens nicht gar zu sehr verfette (ja, ich gebe zu, ich bin eitel geworden auf meine alten, einsamen Tage).
Am Samstag gegen frühen Mittag war ich also unterwegs, über Kilometer kaum einmal ein paar Menschen zu sehen, es war einfach sehr angenehm (und die Temperaturen um 26, 27 Grad auch sehr nett).
Am Strand kam eine Kuhherde vorbei, eine Gruppe von drei Jünglingen, die natürlich sofort auf mich zustürzten um mich per Handschlag zu begrüßen und ein wenig zu nerven, konnte ich schnell abwimmeln, zwei Familien sammelten am Strand Muscheln - der Sand wird vorsichtig umgeschaufelt und kleine Muscheln daraus aufgelesen. Die erste Gruppe schaute einfach nur, ich ging einfach weiter.
Aus der zweiten Gruppe winkte mich der Familienvater heran, zeigte mir einen noch lebenden Krebs, ich wünschte guten Appetit. Man fragte, in welchem Hotel ich wohne und plötzlich wies der Mann auf die mittlere Tochter, 9 bis 11 Jahre alt und erzählte irgendetwas. Noch dachte ich mir nichts dabei. Die Mutter und die ältere Tochter grinsten, die jüngste versteckte sich ein wenig hinter der Mutter, die mittlere Tochter lächelte verschämt.
Der Mann wies wieder auf das Kind, erzählte etwas vom Haus der Großeltern, das gleich um die Ecke läge, wies auf die Tochter, sprach, "Bla, bla, bla, Tochter, Dollar, bla bla" wies wieder auf das Kind, auf das Dorf hinter dem kleinen Wald am Strand ...
Ich bedankte mich und sagte, dass ich keinen Bedarf hätte und ging weiter.
Als ich nach einer halben Stunde auf dem Rückweg wieder an der Stelle vorbeikam, diesmal gewappnet um etwas harmlosen small talk zu machen und die Erlaubnis zum Photographieren zu bekommen, war die Familie nicht mehr da.
Ich hatte tatsächlich das Gefühl, dass der Mann versucht hatte, mir seine Tochter zu verkaufen, vermutlich für ein paar Dollars und ein einmaliges Erlebnis in der nahegelegenen Hütte, die mir sicher auch für ein paar Stunden zur Verfügung gestellt worden wäre ...
Zurück auf der Farm erzählten mir J und D, dass ein anderer Gast von einem ähnlichen Erlebnis berichtet hatte vor einiger Zeit - wir waren uns einig, dass so ein Verkauf tatsächlich möglich sei, auch wenn ich das, was der Mann gesagt hatte, natürlich nicht verstand, vielleicht tue ich ihm ganz schrecklich unrecht - aber vielleicht kann man als westlicher Tourist mit Dollars in der Tasche dann doch Kinder für sexuelle Dienstleistungen von den eigenen Eltern kaufen ...
Ich gebe zu, ich war ein wenig schockiert.

Dienstag, 7. November 2017

10 mal im Jahr ....

wird man angeblich in Deutschland rein statistisch gesehen auf dem Weg zur oder von der Arbeit nass - bzw. muss entsprechende Gegenmaßnahmen wie Regenkleidung, Regenschirm usw. treffen.
Dieses Jahr hat es schon einige Male auf meinem Arbeitsweg geregnet, als ich nach meiner Operation mit dem Taxi fuhr zum Beispiel, bei unserem Seminar letztens - nach dem kleinen Bier in der Kneipe mussten wie durch den reißenden Fluss durch über kniehohes Wasser waten, um von dort irgendwohin zu gelangen und eben heute: Eigentlich ist die Regenhttpzeit seit ca. einem Monat vorbei aber trotzdem bin ich bei meiner Tour gestern auf den Affenfelsen in einen heftigen, immerhin ca. einstündigen Regen geraten, heute nach der Arbeit hat es dann auch wieder auf der Hälfte des Weges angefangen zu regnen und hört jetzt, nach vier Stunden endlich wieder auf - und wenn es hier regnet, dann würden wir das daheim in Deutschland "Wolkenbruch" oder "es gießt in Strömen" nennen.
Na, ein paar mal darf es noch regnen, dieses Jahr, dann habe ich auch meine deutsche Statistik erfüllt.

Donnerstag, 2. November 2017

kühl

nach dem großen Joghurt direkt aus dem Kühlschrank friere ich gerade ein bisschen - ich sollte wohl doch etwas langes anziehen statt in Bangalores Winter mit überall geöffneten Fenstern und Balkontüren nur in Shorts und T-Shirt herumzulungern ...
Aber morgen um die Zeit bin ich ja mal wieder in Chennai, dort werde ich schwitzen ;-)

Montag, 30. Oktober 2017

beim Mechaniker

am 27 Juli habe ich mein Motorrad zum Mechaniker gebracht. Die Restauration inclusive Lackierung und einiger neuer Teile sollte 20 Tage dauern.
Zwischendurch war ich ja im Krankenhaus, konnte erst am 19. August wieder zum Mechaniker fahren, 23 Tage später. Er hatte tatsächlich ein paar Teile abgebaut:

3 month - do not leave your bike with Akram!

Seitdem lasse ich wöchentlich zwei bis drei mal dort anrufen und nachfragen. Ich selbst war auch wider dort, das Motorrad war nicht da, angeblich beim Lackierer.
Inzwischen sind über 90 Tage verstrichen, am Samstag war ich wieder da, habe den Chef auch persönlich an einem Motorrad - nicht meinem, das war nirgends zu sehen, selbst die Einzelteile nicht - schraubend angetroffen. Er hat ganz harmlos getan und so als würde er meine schlechte Laune nicht verstehen.
Wieder wollte er zwei, drei Wochen mehr Zeit.
Das war mir vorher schon klar, also kam ich vorbereitet: ich zeigte dem Mann meine schlechteste Seite, fluchte, sagte ihm, dass sein Verhalten eine Sünde gegen Allah sei, sagte ihm, ich wolle sofort mein Geld zurück (immerhin habe ich die Hälfte des Gesamtvoranschlags im voraus bezahlt), die Teile zurück bekommen, um sie einem anderen Fachmann zur Wiederherstellung des Motorrads zu geben. Wieder kam nur "zwei Wochen". Also tat ich noch viel böser, sagte, dass es nun endgültig genug sei und dass ich jetzt zur Polizei ginge - wieder kam nur das gebetsmühlenartig wiederholte "I need two more weeks" und "no Police" - also drehte ich mich wutenbrannt um und ging, ohne ein Wort mehr zu sagen zielstrebig und, nachdem man dort mein Gesicht nicht mehr sehen konnte, fröhlich grinsend zur nächsten Polizeistation, die nur 100 Meter entfernt ist. Dort fand ich dann auch den Englisch sprechenden Chiefofficer, erklärte ihm das Problem.
Der gab mir einen Polizisten mit um Akram abzuholen und ein paar klare Worte mit ihm zu sprechen - was er dann auch tat, als ich mit Polizist, Mechaniker und einem englischsprachigen Helfer des Mechanikers wieder in der Polizeistation ankam - Mechaniker und Helfer waren bedrückt, ließen wieder "Bla Bla" ab, der Polizist machte ihnen kar, dass es so nicht ginge, vor allem einem Ausländer gegenüber. Der Polizist meinte auch, man solle mir meine Teile zurück geben.
Gleich dort in der Polizeistation erklärte ich dem Mechaniker dann ein letztes Mal ganz klar, dass ich, wenn das Motorrad nicht bis Ende nächster WOche fertig wäre, ich mit Freunden wiederkäme um ihn danach, wenn er aus dem Krankenhaus zurück käme ganz offiziell auch noch anzuzeigen, wobei ich dann auch nicht unerwähnt ließ, dass die deutsche Botschaft durchaus gute Anwälte hat ...
Besonders der Teil mit den Freunden und der Krankenhausdrohung gefiel einem der Unterpolizisten offensichtlich sehr gut, er nickte mir bestätigend zu und bestand darauf, dass auch der Teil deutlich für den Mechaniker übersetzt würde.
Mit dem Chefpolizisten vereinbarte ich dann, dass ein andere Mechaniker ja auch diese Zeit bräuchte, nachdem Akram nichts gemacht hätte, dass ich ihm also die zehn Tage, auf die Akram inzwischen reduziert hatte, gäbe, dass ich dann aber tatsächlich wiederkäme um sowohl meine Drohung wahrzumachen als auch ein offizielles Verfahren gegen den Mechaniker zu eröffnen.
Dann ging ich einfach - Mechaniker und Helfer kamen etwa eine Minute später - offensichtlich nicht wirklich glücklich.
Ich hoffe, dass dieser Auftritt jetzt gereicht hat, dem "guten Mann" etwas Feuer unter'm Arsch gemacht zu haben und dass er men Motorrad jetzt wirklich in der gegebenen Zeit fertig kriegt, ansonsten muss ich wohl ein Rollkommando organisieren - einen ersten Freiwilligen für einen bösen Auftritt (aber ohne Verhauen) habe ich immerhin schon, aber ich kriege auch mehr zusammen, wenn es dann wirklich sein muss, 3 Monate ist tatsächlich zu viel Zeit, um ein Motorrad auseinanderzuschrauben, zu lackieren und wieder zusammenzubasteln, in der Zeit könnte ich das auch alleine, selsbt wenn ich sieben Do-it-yourself-Bücher lesen müsste ...

Samstag, 21. Oktober 2017

kleine Tour in Stichworten

die letzten vier tage war ich wieder auf dem motorrad in südindien unterwegs - bangalore - coorg - coorg - bangalore.
coorg ist eine gegend in den "western ghats", ein gebirge im westen indiens und liegt westlich, etwa 200 km von bangalore entfernt - eine entfernung, die eigentlich in zwei stunden zu schaffen wäre, gäbe es gute straßen und normale autofahrer, google maps sagt, ich bräuchte vier stunden, die realität sagt, dass es wesentlich länger dauert, auch weil ich öfter mal photostopps einlege.
die vier tage in stichpunkten:
- in den bergen gibt es tatsächlich orte, wo es wirklich ruhig ist, einmal machte ich ca. 15 minuten pause, es kamen nur drei autos, vier oder fünf motorräder und ein spaziergänger, der mich wohl stehenbleiben gehört hatte (ich war noch in hör- und, wie ich dann auch sah sogar in sichtweite eines hauses, das recht gut hinter bäumen versteckt war - der spaziergänger kam um mich zu fragen, ob ich hilfe bräuchte, nett).
- inder hupen überall, leider auch in den entlegensten gegenden, wo es außer ihnen sonst niemanden auf der straße gibt - und wenn sie blondie am straßenrand sehen, wird erst recht gehupt, recht nervig das.
- blondie am straßenrand ist eine sensation, viele blieben stehen um zu gaffen, manche, um mich anzuschwätzen, aber auch fünf oder sechs mal leute, die fragten, ob ich ein problem hätte (alleinreisende menschen, die einfach mal stehen bleiben um ein photo zu machen oder einfach mal ein paar minuten die stille zu genießen sind wohl doch sehr selten, selbst in den bergen auf dem weg zu irgendwelchen berühmten wasserfällen)
- es gibt hier tatsächlich menschen, die gehen zu blondie hin um jede einzelne tätigkeit ganz genau zu beobachten, sie stellen sich unverschämt nah neben mich und begaffen alles, was ich tue, sei es, die kamera aus der tasche zu nehmen, sei es, ein photo zu machen, sei es, mich aus oder in meine motorradklamotten zu kämpfen, ... würde ich eintritt nehmen, würde ich bei so einer tour gewinn machen. besonders seltsam: sehr viele kommen und gaffen und sagen kein wort, oder aber sie kommen in gruppen und gaffen und schwätzen über mich - natürlich nicht in englisch. dabei gibt es kein "hallo" oder wenigstens ein kopfnicken, nein, das zoo-blondie wird einfach nur begafft und man spricht darüber, aber nicht dazu (ok, es gab auch genug leute, die mich anschwätzten, oft genug "where do you come from" "poland" "sweden" "germany" war dann meistens auch schon das ende des gesprächs, mehr kam dann meist nicht mehr.
- manche leute sind aber auch richtig nett. eine familie lud mich spontan zum tee ein, nachdem die beide söhne ihr "where do you come from" abgespult hatten, ich sie aber nicht weggehen ließ, sondern gegenfragte, nach ihren namen, nach ihrer herkunft, ihrem alter usw. usw. - doch, das war ausnahmsweise wirklich nett.
- immer wieder wollen leute "selfies" machen, für die sie sich dann neben mich stellen und ein photo mit sich selbst und blondie machen - manchmal habe ich nichts dagegen, wenn die leute nett fragen. diesmal bat ich den jungen mann, dann eben auch mal ein photo mit meinem handy von mir zu machen, weil ich sooo coool da an meinem motorrad lehnte und das als "selfie" eben nicht gut rüberkam:
cool ...
- die landschaft ist einfach toll - und es hat nur zwei mal kurz geregnet.
- die landschaft ist genial zum motorradfahren - es geht ständig in serpentinen hoch und runter
- ich habe endlich wieder photographiert, auch in indien kann ich photographieren, auch wenn ich hier in der stadt oft genug keine lust dazu habe.
- manche hotels sind prima (ok, ich habe nur die mittlere kategorie gebucht, also kein luxus, kein europäisches frühstück, aber manchmal ist der service einfach nur gut)
- manche unterkünfte sind schrecklich (ein homestay der billigen art - leider mit geteiltem bad, während die internetauskunft "eigenes badezimmer" versprochen hatte). das problem dort war weniger die qualität des zimmers oder des essens (das abendessen war wirklich richtig gut und ich war ausgehungert), sondern die nachbarn, eine familie, der ich extra vorgestellt wurde und die dann doch kein wort mit mir sprachen, obwohl zumindest die mutter englisch spricht. sehr seltsam, diese leute - und mit ihnen ein bad teilen zu müssen - noch dazu eins der simplen indischen art ohne dusche aber mit eimer, den man mit warmen wasser füllt, dass man dann über sich gießt. natürlich haben diese tollen leute das klo mit eingewässert und und und, nee, nicht wieder diese preisklasse, dafür bin ich zu alt und eigen.
- google maps funktioniert eigentlich ganz gut, aber: die eine unterkunft war am falschen ort eingetragen, ich irrte ca. eine halbe stunde durch die stadt (bis mich - genialerweise der sohn des betreibers der miesen unterkunft ansprach: "You're looking for b s homestay?" "yes" "follow me" - er war wohl losgezogen, mich zu suchen, als ich nicht rechtzeitig aufgetaucht war. wirklich toll, muss ich zugeben, denn eine alternativunterkunft war auch nicht aufzutreiben und ich hatte absolut keine lust, in der dunkelheit nochmal ein, zwei stunden länger durch den wald zu kurven auf der suche nach der nächsten freien unterkunft. das zweite google maps problem war ein wasserfall - wenn man nach dem sucht, landet man auf einer brücke über den fluss, man muss sich zum parkplatz für den wasserfall navigieren lassen, was aber irgendwie nicht funktioniert, aber ein eingetragenes homestay auf der straße, die zu diesem parkplatz führt, war dann möglich und nach 10 km umweg (hat mich sicher anderthalb stunden gekostet inclusive tempelbesuch, wo ich zufällig gelandet war und einigen photostopps), hatte ich meinen wasserfall endlich erreicht
2017-10-19-tel
- in indien ist alles süß - im einen hotel gab es gar keinen kaffee ohne zucker, in der anderen unterkunft bekam ich zwar welchen, aber erst auf ausdrückliche nachfrage und dreimal bestätigen "ja, ohne zucker", "nein, auch nicht wenig, sondern gar kein zucker", "ja, wirklcih kein zucker"
- Deepavali, gesprochen Divali, klingt immer noch wie die ägyptische revolution, als um uns herum nachts geschossen wurde - die erinnerung kommt manchmal eben doch noch hoch.
- ich muss mal wieder wandern gehen - manche stellen dort sind so genial, man müsste sie sich ergehen - vor allem fern der lärmenden straßen. wenn ich wirklich nächstes jahr wieder ein jahr aussetzen kann, mache ich auf alle fälle wieder eine längere wanderung.
- ich hatte wieder viel zu viel gepäck dabei - war zwar verteilt auf zwei kästen am motorrad und die tanktasche und ich hatte nicht schwer zu tragen, aber die hälfte hätte es auch getan.
- ich habe jeden tag ein selbstphoto mit einer sehenswürdigkeit im hintergrund gemacht, um S. zu beruhigen, die sich ja immer sorgen um mich macht - eine sehr spannende sache, ich überlege mir gerade, das in irgendeiner art weiterzuführen ...
- überhaupt, ich unternehme zu wenig, ich muss mehr tun. so ein ausflug lässt sich auch an einem wochenende machen ...

- bilder gibt es einige, wohl auch gelungene, es wird aber dauern, bis ich sie bearbeitet und online habe ...

Samstag, 14. Oktober 2017

immer wenn ich ...

... rausgehen will, fängt es an zu regnen.
Seit einigen Monaten regnet es hier so ziemlich jeden Tag, zufälligerweise sehr oft, wenn ich gerade rausgehen will. Und ich gebe zu, inzwischen nervt es - wenn ich arbeite, ist es fast immer trocken, aber sobald ich mal was machen will ...
having just a short drink ... 4

Mir reicht es, jawohl ja!

Sonntag, 8. Oktober 2017

nach zwei Monaten Fahrverbot ...

Fahrverbot haben mit die Ärzte erteilt, also habe ich mich auch brav daran gehalten und bin ganze zwei Monate nicht mehr auf dem Motorrad unterwegs gewesen.
Heute dann endlich wieder einmal eine kleine Tour. Ich wollte nur ein Stück fahren, um mich wieder an den Verkehr zu gewöhnen (absurdes Hupen für nichts, für einen Baum an der Straße, für jeden Menschen, der nur in der Nähe der Straße zu sehen ist, für jedes Auto, Motorrad oder Fahrrad, das einem entgegenkommt, einfach so aus Lust und Laune, vor jeder Kurve, hinter jeder Kurve, weil der Motorradfahrer Licht anhat, Unverschämtheit das, weil das Telephon klingelt oder was auch immer, Blinken kennt man kaum, dafür war aber heute ein Held unterwegs, der zwar beim Abbiegen nie blinkte, nicht beim Herausfahren aus der Einfahrt, aber ganz brav vor jeder Kurve blinkte um zu zeigen, wohin er unterwegs war ...). Aber da ich gute Laune hatte und die Nandi Hills wirklich nicht mehr weit, beschloss ich, hochzufahren und dann wieder nach Hause.

Nandi Hills near Bangalore

Nachdem die Tankuhr nicht mehr funktioniert und das Motorrad über zwei Monaten in der Tiefgarage gestanden hatte, konnte ich wirklich nicht mehr erinnern, wie viel Sprit noch da sein müsste, also hatte ich die Notspritflasche dabei - der dreiviertel Liter reicht für ca. 20 bis 25 km.
Auf meiner Nebenstrecke gab es denn auch keine Tankstelle um nachzufüllen und siehe da, kaum hatte ich die Serpentinen erreicht, die auf den Hügel führen, war der Sprit brav zu Ende. Flugs hatte ich meine Notration eingefüllt, umgedreht und auf der Hauptstraße dann auch nach zehn Kilometern die nächste Tankstelle gefunden und getankt, um dann doch noch auf meinen Hügel zu klettern.
Trotz des Hupkonzerts hat es denn doch Spaß gemacht - und ich selbst habe auch mal gehupt, für einen Kamikazehund, der urplötzlich auf die Straße rannte ...

Samstag, 22. Juli 2017

Führerschein und Motorradanmeldung auf Indisch

OK, ich gebe zu, ich bin ein loser, ein Verlierer: ich habe beim letzten Flug meinen Führerschein wohl noch im FLugzeug verloren.
Der Führerschein, die praktische Plastikkarte mit Photo und Adresse diente mir immer als Identitätsnachweis in innerindischen Flügen, daher war er nur in der Hosentasche und ist wohl mit dem Telephon rausgerutscht, das ich anschalten wollte, um mir ein Taxi zu rufen für den Heimweg.
Auch nach zwei Wochen ist er nicht wieder aufgetaucht, nicht gefunden worden oder einfach nur im Müll gelandet.
Also: Letzten Samstag war ich bei der Polizei um den Verlust anzuzeigen. Für die Führerscheinstelle war es dann zu spät, die einfache Verlustanzeige, ein Satz mit ca. 200 Anschlägen oder weniger, brauchte zweieinhalb Stunden, während derer ich auf der Besucherbank in der Polizeiwache saß, die feche Polizistin in ihrer zu engen Uniformhose anschauen durfte, was aber auch bald langweilig wurde, denn indisch fech ist doch nicht so mein Ding. Ab und zu mal nervte ich und fragte nach, ob denn niemand in der Lage sei, das Ding zu tippen oder bot mich an dass ich gerne schreiben könne, wenn niemand sonst dazu in der Lage sei . Kurz und gut, statt wie geplant um 10.30 hereinzugehen und um 11.40 fertig zu sein (vorher war ich in der Schule für eine Minifortbildung), saß ich bis nach ein Uhr dort, kam erst gegen zwei Uhr bei der Führerscheinstelle an und entschied, mich gar nicht erst in die Schlangen anzustellen, wohl wissend, dass das alles ewig dauern würde.
Also hatte ich heute endlich Zeit dazu, war auch recht früh da, nachdem ich auf dem Weg gleich noch die Abgasuntersuchung für mein Dieselmotorrad machen liies (die Karre entspricht den Vorschriften, obwohl hinten eine stinkende schwarze Wolke rauskommtI. Den Anfang bei all den Prozeduren sowohl beim Antrag für einen neuen Führerschein als auch für die Anmeldung des Motorrads macht ein ach so wichtiger Mensch, der alle Unterlagen durchblättert, seinen Anton draufmalt und einen dann zum nächsten Schalter schickt - leider läuft nix dort ohne seinen Anton. Beim Führerschein motzte er rum, der alte wäre falsch, weil länger gültig als das Visum, aber ich hoffe doch, dass sein Rumgemotze keine Auswirkungen hat auf den Führerschein, den ich dann kriege, sonst muss ich den nochmal neu beantragen nächstes Jahr ... Die Anmeldung des Motorrads wollte er erst bearbeiten, nachdem der Führerschein fertig wäre, gut, also nach 15 Minuten warten vor seinem Schreibtsich dann zur Kasse, nur fünf Minuten warten, dann zum Photostand, wo man mit billigster Webcam abgelichtet wird, obwohl man zwei Passphotos einreichen muss, linker Daumenabdruck wird auch noch abgefragt und eine Unterschrift auf einem digitalen Dingsbus geleistet, Wartezeit ca. 20 Minuten. Am nächsten Schalter werden dann die Daten aufgenommen und schon ist das Prozedre fertig (wie gesagt, es ging ja auch nur darum, einen Ersatz für den alten Führerschein zu bekommen). Abgeben muss man drei Formblätter plus ein persönliches Anschreiben an den "Dear Sir", in dem man den Antrag, den man ja schon als Formblatt abgegeben hat, noch einmal frei formuliert stellt. Dazu kommt noch eine Kopie des verlorenen Führerscheins, die Quittung, dass man eben gerade bezahlt hat, Passphotos und ein Briefumschlag frankiert und mit der eigenen Adresse versehen, auf dass der Führerschein dann in bis zu vier Wochen per Post kommt.
Hoffen wir, dass das funktioniert.
Dann zurück zu Herren Wichtig. Auch die Unterlagen für die Registrierung des Motorrads waren vollständig, die Abfrage im Computer nach etwaigen Bußgeldern oder Diebstahlasmeldungen fiel negativ aus, wieder motze er rum, dass mein Führerschein doch befristet sein müsste und wollte partout Pass, Visum und Aufenthaltsgenehmigigung sehen. Als er zum dritten Mal nach dieser Aufenthaltsgenehmiigung fragte und ich zum dritten mal antwortete, dass ich mit meinem offiziellen Visum diese nicht brauche, ja, sie gar nicht bekommen kann, weil das Visum aufenthaltsgenehmiigung und Arbeitserlaubnisi zugleich darstellt, musste ich lauter werden - das akzeptierte er dann doch endlich, aber bestand darauf, dass ich zum Chef müsse. Gut, da stolperte ich dann mitten in irgendeine Besprechung, durfte mein Anliegen sofort vorbringen, er blätterte durch meine Papiere, setzte auf ein paar davon seine grüne Unterschrift, dann endlcih unterschrieb auch MR Important und ich durfte losziehen: erst werden ein paar Daten aufgenommen, Schllange nur eine Person, fünf Minuten oder so, dann geht man bezahlen, vor mir zwei Agenten mit riesigen Stapeln Unterlagen, die das professionell machen, was dann ewig dauert, Wartezeit gefühlt mindestens eine Stunde, real wohl eher 45 Minuten. Der gute Mann vor mir wartete genau so lange um eine Rechnung über 10 Rupies (13 Cent) zu bezahlen, bei mir waren es dann doch 350, also 7 Euro.
Der nächste Schalter ist die Endabnahme, eine Dame sitze hinter ihrem Gitter und nimmt die Unterlagen in Empfang, blättert sie noch einmal durch, studiert ganz genau meine Passkopie, und schreibt endlcih einen Zettel aus,, auf dem vermekrt ist, dass die Registrierungskarte in spätestens 4 Wochen per Post kommt.
Hoffen wir auch da das Beste.
Abzugebende Papiere: Zwei Mal ein Formblatt, das der Verkäufer zu unterschreiben hat, dass er das Motorrad verkauft hat, einmal das Gleiche mit etwas anderer Aufteilung und der Bitte an die Versicherung, diese auf den Neubesitzer zu übertragen, ein Zertifikat über Non Poison im Abgas, ein Antragsanschreiben natürlich auch wieder, nett und höflich nochmal das Selbe BlaBla wie im Formblatt auch schon, dazu zwei Passphotos, Quittung, ....
Alles in allem über drei Stunden ...
Aber: Es sieht so aus, als hätte ich es geschaftt, ganz allein und ohne größere Probleme (genug Passkopien und Phtotos habe ich ja inzwischen immer dabei, wenn ich auf irgendwelche Ämter gehe ...). Damals in Chennai haben ja drei Versuche, den Führerschein zu bekommen, viel Geld gekostet und nichts gebracht, auch die Registrierung eines Motorrades brauchte drei Extratage, mein persönliches Erscheinen - wo sonst Agenten alles allein machen - und ein großes Schmiergeld (heute 350 Rupies Gebühr, damals hat der Agent 3000 kassiert, während der Chiefofficer mich dorthin zitierte um auch noch einmal 1500 zu kassieren ...)


Und ganz besonders schön: Neimand wollte auch nur ein einziges Mal ein Original sehen. Man könnte sich da so einiges zusammenbasteln und abgeben, niemand würde es merken - zumindest an den Schaltern nicht, mit denen ich zu tun hatte, ob später noch genauer geprüft wird, weiß ich natürlich nicht.

Samstag, 1. Juli 2017

banking auf Indisch

Ich muss mal wieder eine Rechnung bezahlen, was ja kein Problem sein sollte, da ich ja nach Jahren endlich ein indisches Konto habe.
Der Zugang zum onlinebanking funktioniert auch nach tausend Versuchen: mit Firefox oder einem anderen Browser ist das gar nicht möglich, da gibt es nur Fehlermeldungen, das System funktioniert nur mit Internet-Explorer - es lebe das Monopol. Aber dieses Problem kenne ich schon von anderen Seiten in Indien, man verlässt sich eben gerne auf die Technik, die Viren am meisten ausgesetzt ist.
Hat man sich endlich eingeloggt, muss man erst umständlich einen Empfänger registrieren (ich habe das im siebten oder achten Anlauf geschafft, bis dahin hat mir das System immer Fehlermeldungen geschickt, so dass ich jedes Mal auf's Neue anfangen musste). Nach etwa 45 Minuten war der neue Empfänger Eingegeben und das System hatte ihn akzeptiert - jetzt muss ich mindestens drei Stunden warten, bis der neue EMpfänger im Banksystem auch registriert ist, erst dann kann ich eine Zahlung machen - mal schauen, wie viele Versuche ich dann brauche.
So eine Internetüberweisung dauert dann gerne mal eine Stunde - ich frage mich, wie Unternehmen das machen, die täglich tausende davon durchführen müssen ....

Freitag, 30. Juni 2017

Ich bin eben ein Deutscher ...

Heute gab es ein kleines Lob: in einem Gespräch mit der Leiterin des neuen Schulzweiges fragte sie, ob sie etwas "funny little thing" besprechen dürfte. Durfte sie. Sie erwähnte das Problem, dass wir alle, die wir in dem neuen Zweig arbeiten, ja das Problem hätten, von einem Gebäude in den Neubau zu wandern, in dem der neue Zweig untergebracht ist. Es wäre ihnen ja klar, dass man dadurch viel Zeit verlöre - aber sie habe beobachtet, dass ich immer pünktlich sei. "Das kann gar nicht sein, ich bin immer fünf Minuten zu spät" erwiderte ich, die Zeit habe ich gestoppt, zwar nur langsam gehend, mit heftiger Erkältung, die meine Schritte auf der Treppe in den dritten Stock bremste, aber unter 3,5 Minuten kann ich das einfach nicht schaffen. "Das mag schon sein, aber wir haben beobachtet, dass Deutsch immer stattfindet, während die anderen Lehrer noch lange nicht da sind".
Schön, dass es mal auffällt, dass viele meiner Kolleginnen (und der wenigen männlichen Lehrer, die es hier gibt), regelmäßig viel viel zu spät sind. Mich stört das schon ewig, für mich ist es ganz natürlich, dass ich von einer Stunde zur nächsten so schnell wie möglich komme, während viele Kolleginnen sich auf den Weg machen, während ich schon von einer Klasse in der nächsten bin - und auch vom Seniorblock in den Primablock und umgekehrt brauche ich meine zwei bis drei Minuten, die viele einfach so in ihren Lehrerzimmern sitzen ...
Aber ich glaube, da bin ich wirklich ziemlich deutsch - mein Job ist es, in der Klasse zu sein und den erledige ich, basta!

Aktuelle Beiträge

Ruhe
Ich habe ja viel von diesen ANC-Kopfhörern gehört...
erik-n - 19. Nov, 19:01
Strandschnäppchen
Am Wochenende war ich wieder auf der Farm von Freunden,...
erik-n - 8. Nov, 13:22
10 mal im Jahr ....
wird man angeblich in Deutschland rein statistisch...
erik-n - 7. Nov, 15:09
kühl
nach dem großen Joghurt direkt aus dem Kühlschrank...
erik-n - 2. Nov, 14:27
beim Mechaniker
am 27 Juli habe ich mein Motorrad zum Mechaniker gebracht....
erik-n - 30. Okt, 16:10

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Suche

 

Status

Online seit 3697 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 19. Nov, 19:01

Web Counter-Modul


ägyptische Zeiten
Auf den Ohren
Auf nach Indien
Bilderchen
Fundstücke
für die menschheit nix großes
Hohe Zeiten
house art
indische Zeiten
photozeiten
Splitterzeiten
Tatort
Traumzeit
türkische Realität
Türkishe Realität
unterzeitwegs
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren