Mittwoch, 22. April 2009

dumm

... wenn der computer spinnt und man dann programme schließt, um dann neu zu starten und wieder richtig arbeiten zu können, aber dabei vergisst, dass die arbeit der letzten zwei stunden noch nicht gespeichert ist ...

Jakobsweg - 22.04.2008: Zubiri => Pamplona

Nachdem am vorabend auch das handauflegen einer ehemaligen lehrerin, die von sich selbst glaubt, heilerfähigkeiten zu haben, nichts geholfen hat und die knie nach wie vor höllisch weh taten, also aus rein logischen gründen statt weiter zu wandern und die knie vollends zu zerstören, fuhr ich einfach per bus die letzten 18 km nach Pamplona, zusammen mit Susanne, die auf den ersten blick den eindruck einer ganz und gar schrecklichen friseuse aus den neuen ländern machte (ja, ich gebe zu, genau solche vorurteile habe ich) sich dann aber als ganz nett erwies - und dann sogar nicht mal aus dem osten kommt (obwohl ich ja bei ihr etwas Sächsisch zu hören meinte), aber in Leipzig lebt und arbeitet und aufgrund von ziemlich schrecklichen nagelbettentzündungen an den füßen pausieren muss.
als die beiden invaliden des tages sind wir also auf den bus wartend zurück geblieben, während die menge vorbei zog, sogar schon die ersten aus anderen dörfern an der strecke weiter hinten, an denen wir gestern noch wacker vorbei gezogen waren ...
auf den bus wartend war nicht viel zu tun in Zubiri, außer ein ödes photo von der dorfkirche zu machen:

busfrustphoto der kirche von Zubiri


In Pamplona dann quartiersuche - Susanne wäre ja beim nächsten hotel abgestiegen (80,- € aufwärts für ein einzelzimmer und weltbest sah's nicht aus, und sooo eine weltstadt ist Pamplona ja nun doch nicht), aber ich war mir sicher, dass es nicht weit weg vom zentrum einige pansionen geben müsste, die erträglich sauber und doch etwas preiswerter wären - und siehe da, nach einer wanderung von einer halben stunde mit einigen malen fragen hatten wir dann auch genau diese pension gefunden, für 20,- € pro zimmer, allerdings mit bad im flur für 3 oder vier zimmer zusammen. aber dafür tatsächlich mitten im zentrum, mit netter aussicht (ich habe das balkonzimmer ergattert ;-) und im gegensatz zur herberge mit einem bett ganz für mich allein, einer tür, die ich abschließen kann und mit der möglichkeit, zwei nächte zu bleiben, das geht in der herberge nicht.
Zimmer mit Aussicht

nach der erfolgreichen anmietung dann auch gleich mal ein paar stunden ausruhen - was ein glück, dass ein neues buch mit dabei ist, wenn auch Englisch.

Später noch ein wenig stromern durch Pamplona, ohne gepäck, auf teer- oder pflaster-straßen, nicht durch schlammlöcher, ganz ohne größere abstiege (bergauf dagegen ist sehr angenehm für die knie), also sind die gelenke bzw. die darin hausenden schmerzen zu ertragen.
Pamplona selbst ist nicht sonderlich groß - und längere exkursionen kann ich denn doch nicht machen, also genieße ich den sonnenschein, der das wetter des tages bestimmt und trinke dazu den einen oder anderen kaffee, unterbrochen von dem einen oder anderen photo:
Mann in Pamplona

abendessen dann zusammen mit susanne in einer bar um die ecke und brav früh ins bett, wenn auch nicht ganz so früh wie in den herbergen wohl so üblich. auch sie wird am nächsten tag noch nicht weiter ziehen, hofft aber genauso wie ich, am übernächsten tag wieder fit zu sein. und wenn meine knie, die sich schon besser anfühlten, nicht wesentlich verbessern, muss ich wohl einen arzt finden - bis zum nächsten tag aber versuche ich es noch mit frisch eingekauftem voltaren und in der apotheke gefundenen knie-verbänden.

abends dann das letzte mal photos vom chip auf die minifestplatte übertragen, inzwischen hatte ich in der post nachgefragt, wie ich mein überflussgepäck los werden würde und wusste, dass einiges an überflüssigen klamotten (welcher idiot nimmt auch einen schweren baumwollpulli - 800 gr - mit, eine baumwollhose - 400 gr. - einen minicomputer !!!!!! - 1 kg - ...) insgesamt hoffe ich, 4 kg fortschicken zu können, die spanische post ist perfekt darauf eingerichtet, es gibt im postamt fertige pakete, in die man den ganzen kram reinkrämpelt, den eigenen namen und als adresse die hauptpost in Santiago de Compostella drauf schreibt und schon wird das ganze los geschickt, zum abholen braucht man dann in Santiago die quittung und den personalausweis, fertig (und auch gar nicht sooo teuer, ungefähr 12,- €, falls ich mich richtig erinnere).

Dienstag, 21. April 2009

die störche

sind wieder unterwegs, vor zwei wochen habe ich schon schwärme gesehen, weit oben kreisend um genug höhe für die bosporusüberquerung zu gewinnen, heute ganz niedrig über der Hagia Sophia, das ist richtig geil (aber unphotographierbar)

zeitprobleme

in welcher zeit schreibt man einen text über einen tag vor fast einem jahr, der dann am jeweiligen entsprechenden tag genau ein jahr nach dem erlebten originaltag (also ein paar tage nach dem tippen) erscheinen werden wird?
irgendwie rutsche ich immer wieder aus dem präteritum ins perfekt und von da ins präsens, ich hoffe ja, dass ich mir zumindest die futur verkneife ;-)

Jakobsweg 21.04.2008: Roncesvalles => Zubiri

Aufwecken mit einem kirchenlied, gesungen (gar nicht so schlecht) von einem der freiwilligen herbergswirte aus belgien - und das um 6 uhr morgens. dann die erkenntnis, dass es, obwohl jetzt viele anfangen zu packen und zu werkeln, doch recht leise ist in dem riesigen saal, der früher mal eine scheune war.
Auch wenn es frühstück erst im nächsten dorf gäbe, hatte ich keine große lust, mich zu beeilen. nach einem ganz gemütlichen packen (viele viele machten stress, wollten ganz schnell sein, hatten aus irgendwelchen gründen angst, zu spät zu kommen, wohin, wozu weiß ich nicht) war ich bereit, ging gemütlich und gut gelaunt aus der tür und kam erst einmal nicht weiter: hatte es am tag vorher erst am nachmittag angefangen zu regnen, hatte der seitdem allerdings nicht mehr aufgehört und sich zu einem doch recht argen landregen ausgewachsen, der zumindest nach stulpen schrie, die über die schuhe anzuziehen wären.
der weg sah anfangs sehr gemütlich aus: lockerer wald, ziemlich gerade, keine sonderlichen probleme:
Roncesvalles
Bis nach Burguete ging es dann auch wirklich nur locker bergab und die kaffeesucht ließ die 3 km als sehr wenig und harmlos erscheinen - im dorf dann eine fiese vordrängelei durch eine gruppe, wie sie unterwegs immer wieder mal zu sehen waren und die eine große ähnlichkeit mit mir und all den anderen auf dem jakobsweg hatte (na gut, zugegeben, die krasse ähnlichkeit ging mir erst später auf)
eine gruppe auf dem Jakobsweg
im dorf eine bar, natürlich geöffnet und natürlich auch in der lage, pilger mit frühstück zu versorgen (das können sie alle am weg, immerhin kommen täglich hunderte menschen vorbei, die in den herbergen oft genug kein frühstück bekommen) - und in der bar die beiden hessen und einige andere bekannte gesichter. zusammen mit den hessen den einen kaffee, ein belegtes brot und dann den zweiten kaffee auch noch (während viele viele vorbeizogen, sich in höchster eile den bauch füllten, offensichtlich von der allgemeinen panik angesteckt, möglichst früh möglichst weit zu kommen). und ja, es war der typische spanische kaffee, den ich persönlich ja wirklich mag, nicht wirklich espresso aber ähnlich in heiße milch gegeben ...
nach dem frühstück mit den hessen und ein paar anderen leuten dann gemeinsam wieder aufgebrochen, die ganze gruppe hat sich dann blöd verlaufen und das erst gemerkt, als uns noch eine andere gruppe wieder entgegenkam, die um einiges weiter gewandert waren, ehe sie den irrtum erkannten.
im wald dann ein interessantes fundstück, wohl die überbleibsel eines pilgers, der im matsch versunken war und von dem nicht mehr viel gefunden wurde:
überreste eines pilgers, der im regenschlamm verlustig ging
immer wieder beschäftigt mit der kamera ergab es sich ganz automatisch, dass ich den anschluss an die gruppe recht bald verlor und wieder gemütlich alleine vor mich hin wanderte, genau so, wie ich es ja auch beabsichtigt hatte: wenn es sich ergäbe, wäre es ok, einige kilometer mit jemanden zusammen zu wandern, aber letztendlich war es doch eine sache, die ich allein für mich machen wollte und ganz sicher nicht darauf angewiesen war, mich nach einer gruppe zu richten.
nur ein kleines problem gab es unterwegs, wo es von vorteil gewesen wäre, nicht allein zu sein, als es darum ging, das regencape über den ganzen erik zu stülpen, mitsamt seines rucksackes - einmal hatte ich das zu hause gemütlich ausprobiert, mit leerem rucksack, als trockenübung ohne regen und ohne wind, ich wusste, dass es möglich wäre, aber in freier wildbahn war es dann doch schwieriger als bei der trockenübung - hätte es jemand beobachtet, der wald hätte sicher von seinem lachen widergehallt, aber es gab justament in dem augenblick, als ich es das erste mal machen musste, niemanden in der nähe (aber nach dem ersten mal wusste ich dann doch, wie es ging und nie wieder gab es dieses problem).
Schön übrigens, meditativ fast, das geräusch des regens auf der plastikkaputze - ein reichlicher landregen aber kein wolkenbruch, der zu stark gelärmt hätte, ein sachtes, ausdauerndes trommeln und immer mal dazwischen das "platsch" eines dicken tropfens, der von einem ast herabstürzte.
wetter eben
Der Weg, ohne Regen teilweise sicher auch immer mal ein angenehmer waldpfad, war nach dem dauerregen ein ewiges schlammloch, es ging stetig bergab, auch mit meinen knien, die immer mehr schmerzten ob der ungewöhnlichen belastung (gestern 26 km inclusive schrecklichem abstieg auf dem ziegenpfad vor roncesvalles, jetzt ca. 22 oder 23 km inclusive schrecklichem abstieg direkt vor Zubiri, den ich dann tatsächlich nur noch in kleinsten etappen bewerkstelligte, weil die kniee einfach nicht mehr mit machten und nach ruhe schrien).
in Zubiri weigerte ich mich, weiter zu gehen und kehrte in der ersten Herberge ein, die mir begegnete - eine kleine schnuckelige private mit zwei schlafräumen - einfachen zimmern, die vollgestellt waren mit etagenbetten und zwei duschen sowie einer miniküche, die benutzt werden konnte.
abends dann wieder pilgeressen in einer bar um die ecke. mittelmäßig erschöpft mit knien, die bei jeder bewegung schrieen aber die klappe hielten, sobald ich einfach nur saß, konnte ich sicher noch nicht schlafen, saß also noch ein weilchen mit den beiden Iren und der Kanadierin in der Küche, die sich über gott und die welt unterhielten um mich dann doch mit einem buch ins bett zu legen - ich hatte mit der wirtin ausgemacht, dass ich meinen nobelpilgerführer da ließe (unendlich schwer, das teil!) und ein kleines taschenbuch dafür mitnähme.

Montag, 20. April 2009

tagwerk

tagwerk für heute: vorfühlgespräch mit S. von der Bogazici-Uni, einige Photos bearbeitet, ansonsten gerade mal den Blog für morgen geschrieben, alleine der brauchte als reine schreibzeit schon eine stunde - habe ich mir da zu viel vorgenommen?

Jakobsweg, 20.04.2008, Saint Jean Pied de Port => Roncesvalles

In der pension einiges "vergessen" - der rucksack ist wohl um ein kilo leichter geworden, aber immer noch weit weit schwerer als die angestrebten 12 kg.
Nach dem aufstehen noch ganz kurz Rosemary verabschiedet, die gerade los zog, sich wieder über die vermieterin und den gatten aufregend, die für alles ein schweinegeld verlangten und vieles lange nicht so viel wert war (das frühstück lächerlich einfach: weißbrot und marmelade, aber immerhin gab's noch eine zweite tasse kaffee, aber bei 5,- zusatzeuro zu 35 pro nacht auch das allermindeste).
nach gerade mal 20, 25 minuten also schon auf der straße, von anfang an regelmäßig bergauf, im ort noch gemäßigt, steigungen, wie man sie eben kennt, steigungen, die sich mit dem auto ohne probleme fahren lassen, steigungen, wo dann die fahrschullehrer einen das anfahren mit handbremse üben lassen ...
und es wurde immer steiler: von ca. 200 meereshöhenmetern in Sait Jean Pied de Port ging es hoch auf fast 1500 höhenmeter, um dann wieder auf 1150 zu sinken, was auf 3 km passieren würde - insgesamt zwar "nur" 23 km, aber das mit 16 kg auf dem rücken nach einem training, bei dem die höchste und längste steigung wohl die Treppe auf das obere geschoss der fähre war ...
na gut, wohlgemut stapfte ich vor mich hin, manchmal konnte ich in weiter ferne vor mir andere wandersleute sehen, die nicht so faul wie ich gewesen und etwas früher gestartet waren, im matsch wurde deutlich, dass auch sie nur die sehr sehr späten von großen mengen anderer waren, die heute schon den selben weg gegangen waren. aber anfangs gab es außer dem matsch und wasser überall in pfützen, rinnsälen am wegrand, strömenden bächen, die überbrückt wurden, nur hinweise auf die unbillen des wetters, es war zwar kühl, aber doch schon fast durchgehend die sonne, bis ich ganz oben ankam - gerne hätte ich gerastet, aber dafür war es einfach zu kalt.
Ganz oben in den Pyrenäen
ein Café oder eine andere geheizte rastmöglichkeit gab es nicht mehr, die hatten bald hinter Saint Jean Pied de Port aufgehört (und überall war ich eingekehrt, hatte dann auch endlich meinen richtigen Kaffee bekommen und war nicht in der lage gewesen zu entscheiden, ob die leute denn französisch oder spanisch sprachen, auch wusste ich nicht, wann ich die grenze überqueren würde ... aber egal wo: immer traf ich dort die beiden hessen, die genauso drauf waren wie ich, immer über die strecke jammernd, immer froh gemut weiter ziehend, immer über die leute lästernd, die stress machten, gemacht hatten, sicher schon angekommen waren, waren sie doch viele stunden vor uns gestartet und sausten im sauseschritt an den gastlichen orten vorbei, die wir so liebten.
ganz oben aber traf ich nur noch ganz selten andere leute, die meisten überholten mich, aber ab und zu war ich auch mal schneller als ein anderer, besonders interessant waren die beiden frauen, die ihre fahrräder einen wirklich richtig fiesen abhang hoch gewuchtet hatten, fahrräder, mit denen ich nicht in der stadt unterwegs sein wolte, geschweige denn auf denen ich eine längere tour machen würde, aber immerhin fahrräder, die ich noch ein paar mal sehen würde auf der pilgerfahrt.
den größten teil der strecke wanderte ich also allein - eine komische erfahrung, alleine durch eine gegend zu wandern, die ich nicht kannte, immer wieder zu hoffen, den nächsten pfeil auch wirklich zu finden und auf dem richtigen weg zu sein, nur groß abschätzen zu können, wie weit es noch wäre, nicht zu wissen, ob in Roncesvalles noch ein schlafplatz zu bekommen wäre, einfach zu wandern, während auf den wiesen neben mir tatsächlich ein paar skelette herum lagen und weit oben Geier kreisten, echte Geier.
irgendwann aber war der höchste punkt erreicht, es wurde denn auch dunker am himmel, es fing immer mal an zu regnen und der weg war schon lange nicht mehr asphaltiert sondern nur noch matsch, es wurde immer kälter und endlich fand ich die letzten schneereste, die es sofort zu dokumentieren galt ;-)
letzte reste des schnees am wegrand
und wie es sich gehört, spielte ich auf dem weg reichlich mit der kamera herum - die geierbilder sind nicht so toll, aber eine andere, seltsame lebensform habe ich dann wohl doch einigermaßen getroffen:
letzte reste des schnees am wegrand und erik direkt davor

nach wirklich anstrengenden stunden bergauf bergauf kam am ende doch noch die hölle des ziegenpfades, der abstieg von über 900 metern auf einer strecke von 3 kilometern im regen auf einem matschweg ohne irgendwelche hilfsmittel, teilweise wirklich übel heftig fast rennend um nicht das gleichgewicht zu verlieren, nur um dann Roncesvalles zu erreichen, ein kloster mit einer scheune, die zur herberge umgebaut wurde und von belgischen freiwilligen bewirtet wird:
Herberge in Roncesvalles
dort können bis zu 120 menschen (in einem raum) schlafen, es gibt kein frühstück, aber immerhin jeweils 2 duschen für männer und frauen, genauso viele waschbecken und toiletten wohl sogar ein paar mehr.
im winzigen ort gibt es dann noch eine recht große gaststube, wo das pilgermenü kredenzt wird, einfach aber gut, und nur nach vorbestellung zu bekommen, man muss also sofort nach ankunft dort hin, zettelchen holen, bezahlen, sonst gibt's nix in den bauch - und das ist doof, weil es im ort außer dieser gaststube und dem doch wesentlich teureren hotel, das auch ausgebucht war, nichts gibt. ich hatte das glück, noch eins der letzten essen zu bekommen, genoss es dann auch an einem großen tisch mit einer wahllos zusammengestellten gruppe von leuten, die ich später allesamt nie wieder sah, franzosen dabei (ein netter alter herr, der sein schuldeutsch aus direkten nachkriegszeiten herauskramte z.B.), eine spanische kleinfamilie zwei allein wandernde - ein unsymphat den ich vergessen habe und ich eben.
die türen werden um 21.30 abgeschlossen, das licht um 22.00 ausgeschaltet, bis dahin muss man also im schlafsack liegen, sonst bleibt man vor der tür!

Sonntag, 19. April 2009

Jakobsweg - 19.04.2008: Istanbul => Saint-Jean-Pied-de-Port

zwanzig jahre war es ein traum: als ich zum ersten mal tatsächlich vor ungefähr 20 jahren vom Jakobsweg erfuhr, wusste ich, dass ich ihn selbst einmal wandern würde. lange zeit war es einfach eine vorstellung, was ich machen würde, wenn ich zeit und geld hätte, also sehr irreal, später wurde es dann etwas dringlicher, etwas, was ich dann wirklich real machen wollte, wenn sich die gelegenheit ergäbe, dann ergab sich die gelegenheit, ein job war gefunden, der im herbst begänne, zeit gab es noch reichlich, das geld auf dem konto würde auch reichen, also buchte ich den entsprechenden flug.
und ansonsten bestand die vorbereitung daraus, einiges an material anzuschaffen (richtige dicke, fette, gute wanderschuhe, schon monate vorher und seitdem immer an den füßen, wenn es raus ging, so kleinigkeiten wie ein rucksack, ein schlafsack in miniformat, gerade mal 600 gramm oder so, ein treckinghandtuch (ja, sowas gibts und es ist viel leichter als ein normales, wenn es sich auch etwas seltsam anfühlt auf der haut), diverse kleidung für wind und wetter ...), außer dem material war es dann auch ein richtig guter reiseführer mit kleinen tageskarten und einem genialen begleitbuch, in dem wahnsinnig viel erzählt und erklärt wurde und in das ich vorher keinen blick geworfen hatte, ansonsten ein bisschen allgemeiner information, eben das wissen, wo der weg ungefähr lang führte, in welcher zeit er entstanden war, dass es auch heute noch reichlich herbergen am Weg gäebe, wo ein pilger schlafen könne, dass in santiago bei den pilgermessen das dicke weihrauchfass geschwungen würde (und das hatte ich damals, vor 20 jahren tatsächlich schon gesehen, wenn auch nur von außen, da die kirche reichlich übervoll gewesen war). Und natürlich hatte ich mich körperlich vorbereitet - hatte alle möglichen wege zu fuß zurück gelegt, hier in der stadt, ohne sonderliches gepäck, auf gerade wegen in einer stadt, die ich gut kenne, mit einer tageshöchstleistung von 15 kilometern.
Kurz und gut: irgendwie hatte es nie wirklkch so ausgesehen, als würde ich tatsächlich den Jakobsweg wandern, zwar nur den spanischen Teil, aber immerhin schon einmal das.

Und nun war es dann wider erwarten doch so weit:
04.30 Uhr war start daheim in Istanbul, dann mit dem auto zum flughafen Atatürk, von da aus nach Madrid, von dort drei stunden später nach Pamplona.
Beim ersten eincheck schon ein schock: ohne handgepäck waren es denn doch statt der errechneten 9 kg (ja, die fühlten sich allerdings schwer an) doch 13 - und im handgepäck noch der photokram und der winzi-computer.
der flugplatz von Pamplona ist winzig - dort fielen die 8 leute mit wandergepäck und suchendem blick richtig auf, die allesamt nach der besten möglichkeit fahndeten, günstig und bald nach Sait Jean Pied de Port zu kommen, wo für uns alle der Jakobsweg beginnen sollte.
nach etwas herumirren und herumfragen fanden wir dann ein großraum-taxi, das uns alle acht nach frankreich bringen würde, für gerade mal15,- € pro person. in dem taxi fanden sich dann also Rosemary, süße amerikanische Oma aus Florida, 6 Leute aus Brasilien, 2 junge männer, die wohl uniferien hatten, ein sehr junges paar, ein älteres paar, und schließlich ich.
in Sait Jean Pied de Port dann ein kleiner kulturschreck:
Hauptstraße in Saint Jean Pied de Port
Eine ganze Straße voller herbergen, restaurants, pilgerbüros und vor allem Massen von Leuten, die ihr Wandergepäck mit sich herumschleppten ...
na gut, die Brasilianer wollten partout in eine pilgerherberge, vor allem um dort einen ersten stempel zu bekommen, dann aber auch, um dort zu schlafen, wenn plätze frei wären. Rosemary und ich hofften, dann doch etwas mehr luxus und vor allem eine eigene, saubere und warme dusche zu finden, bevor dann morgen das wirkliche pilgerleben anfinge, also fragten wir bei den pensionen nach und fanden auch sofort passende zimmer - sogar einzelzimmer - nachdem wir ihr ausgiebigst erklärt hatten, nicht mutter und sohn zu sein hielt uns die Hauswirtin eben für ein liebespaar.
Später dann zielloses herumschlendern im städtchen, das offensichtlich von jahrhunderten pilgerrei geprägt ist, in dem ich aber keinen einzigen guten französischen milchkaffee auftreiben kann - und auch die spanische art, kaffee zu machen, finde ich nicht, frustrierend das.
ahnungslos (und nach wie vor habe ich hapekerkelings "ich bin dann mal ..." nicht gelesen, den sogar absichtlich, weil ich diese wanderung denn doch schon ein paar jahre länger im kopf hatte als es dieses buch auf den bestsellerlisten gibt und auch andere bücher, reiseführer, pilgerhandbücher, wegbeschreibungen, .... kenne ich nicht, selbst mein spanischselbstlernkurs, extra besorgt, liegt unangerührt noch immer auf dem schreibtisch herum), ahnungslos also und ohne irgendeine konkrete vorstellung, was es bedeuten mag, dass ich morgen durch die Pyrenäen wandern werde, schaue ich mich um in der richtung, in der der weg morgen früh aus dem städtchen hinaus führen wird:
Blick auf die Pyrenäen von Saint Jean Pied de Port aus

also brav ins bett mit mir, morgen würde ich um 7 uhr aufstehen und eine halbe stunde später schon auf dem weg sein - früher mag ich mich denn doch nicht aufraffen müssen, habe ich mir überlegt, schließlich mache ich das ganze nicht aus religiöser büßerpein sondern aus spaß an der freude ...

Aber immerhin waren wir dann doch noch im Pilgerbüro und haben ein bisschen herumgefragt und einen ersten Stempel bekommen. Ich würde morgen tatsächlich den Napoleonsweg wandern, Rosemary den anderen an der Straße entlang, ihr gepäck ließ sie vom ehegatten der vermieterin in die nächste station fahren - natürlich für ein schweinegeld.
die brasilianer wollten morgen zum teil die selbe strecke wandern wie ich, nur wollten die schon um 6 uhr aufbrechen - wo ich also noch glückseelig vor mich hin träumen würde, während Rosemary den leichteren weg an der straße nehmen würde, sie traute sich den weg durch die berge nicht zu.

Wetter: typischer apriltag, immer wieder mal garstiger regen (die ersten pilger hatte ich durch eben diesen parallel zur Straße wandern sehen, in dicke capes gehüllt, nicht gerade eine traumhafte vorstellung), aber auch längere sonnige phasen, in denen es dann so warm wurde, dass man ohne jacke herumlaufen konnte.
stimmung: zweifel zwar aber gespannt.

Samstag, 18. April 2009

vor einem jahr

eigentlich sollte mein bericht über den jakobsweg ja voriges jahr schon hier erscheinen. wegen meines unfalls hat das so nicht geklappt, also wird es demnächst geschehen:
08-04-29-4671
ab morgen erscheint hier jeweils ein kleiner tagesbericht inclusive einiger bilder aus den weiten spaniens (sofern ich das so regelmäßig schaffe, wie ich mir das heute morgen so denke ;-)

Donnerstag, 16. April 2009

Angst

treibt mich seit wochen um:
ich weiß - seit einem halben jahr schon - dass ich wieder ins krankenhaus muss, zur "definitiven Versorgung des Bauchdeckendefektes (Narbenhernie) mit Einlage eines Polypropylennetzes in Sublay Technik" oder für dumme wie mich einfach zur behandlung des narbenbruchs (der aber bisher glücklicherweise noch gar nicht aufgetreten ist).
dieses wissen um die dräuende operation mit allem damit verbundenem krankenhauskram, spritzen, narkosen, ... lähmte mich die letzte zeit heftig, aber immerhin war ich gerade eben in der lage anzurufen, um den konkreten termin zu machen. den habe ich jetzt auch, allerdings ist derjenige, der mich aufschnippseln wird, gerade im urlaub, also gab's den termin erst für anfang mai - soll ich mich jetzt über die zwei zusatzwochen freuen oder in der so gut eingeübten lähmung verharren?

Samstag, 11. April 2009

FallendeBürsten

ein alter trick hiesgr shuhputzer: kommt blondie - also ein tourist - vorbei, einfach eine bürste fallen lassen, der tourist hebt sie auf, aus lauter dankbarkeit schwätzt man ihm schuhputzen auf. und hat man einmal die schuhe geputzt, verlangt man dafür dann doch einen lohn, war es doch viel mehr aufwand, als das aufheben der bürste. die meisten zahlen dann auch.
S. kannte das nicht, hatte es, als türkin, auch niemals nie gesehen.
heute wetteten wir bei jedem schuhutzer, ob er mich anschwätzen würde oder die bürste fiele - alle drei warfen ihre bürste, drei mal mussten wir heftigst lachen.

Mittwoch, 8. April 2009

photokram

... ok, es ist zeit, wieder ein bisschen photokram zu machen.

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