Freitag, 8. Mai 2009

Jakobsweg - 08.05.2008: Carrión de los Condes => Moratinos

Eigentlich hatte ich ja bis Sahagún wandern wollen, um dort zu schauen, ob ich eine Kamera bekäme oder ob es eine Möglichkeit gäbe, per Bus nach Leon zu fahren, dort eine einzukaufen, wieder zurück zu kommen und am nächsten oder spätestens übernächsten Tag weiter zu wandern.
Dementsprechend wie immer früh (aber nicht vor dem Aufstehen) losgezogen, im Café dann nette Leute getroffen und lange gesessen.
Nach einem Weilchen war ich aber doch gemeinsam mit Cecile aufgebrochen, und wir hatte das erste 16 Kilometer lange Teilstück in Angriff genommen, jenes Stück, wo es weder Wasserstelle noch Bar noch sonst irgend etwas gäbe. Cecile traf dann auf einen jungen Franzosen, der nach wie vor an schrecklichen Blasen litt. Sie half ihm, indem sie die Blasen mit Nadel und Faden aufstoch - was ich mir dann ganz und gar nicht anschauen konnte, ich bot zwar meine Hilfe an, war aber froh, dass die nicht gebraucht wurde und ich weiter gehen konnte, beim kurzen Blick auf die Blasen des guten Jungen und das, was Cecile an wie auch immer gefärbter Flüssigkeit daraus holte, wäre ich fast umgekippt.
Ich wanderte also weiter und freute mich, dass ich nach etwa vier Stunden auf ein Dorf käme, wo es sicher eine Bar gäbe, als ich einen Tisch am Straßenrand wahrnahm, wo ein Mann ein paar Thermoskannen mit Wasser und allem Zubehör für löslichen Kaffee oder Tee aufgebaut hatte - einfach nur toll und gern angenommen (sogar Kekse hatte er). Geld wollte er keines, also musste ich meinen Rucksack, der noch auf dem Rücken war, nciht auspacken sondern konnte es mir erst einmal auf der Wiese auf der anderen Straßenseite bequem machen. Dort lernte ich ein nettes Paar aus Irland kennen, wie die meisten wieder älter als ich, aber einfach nett. Viele Leute kamen vorbei, die meisten tranken einen Kaffee oder einen Tee, auch nur Wasser, und alle hinterließen dem guten Mann eine Spende (um die er nicht einmal gebeten hatte), ich auch und mangels Kleingeld bekam er mit einem € mehr, als ich in der nächsten Bar für einen richtigen Kaffee mit aufgeschäumter Milch bezahlte - ich kann mir gut vorstellen, dass er so an Spenden mehr einnahm, als er bekommen hätte, wenn er offiziell Getränke verkaufte - aber egal, um's Geld ging's nicht, es war einfach nur schön, dort entgegen der Erwartung, doch eine Raststelle und ein Getränk zu finden.
Im nächsten Dorf dann eine Bar, die reichlich gut besucht war - und da trafen mich auch die tiefen Blicke von Sabine, die ich vielleicht vorher schon gesehen haben mochte, die ich aber nie bewusst wahrgenommen hatte. Ich beendete meine Pause und zog weiter, allein, im Wahnsinstempo, schließlich wollte ich noch einiges schaffen an dem Tag. Und ja, ich kam Sabine und dem guten Mann, mit dem sie gerade wanderte, immer näher, überholte schließlich auch und wunderte mich wieder über ihre Blicke, aber sauste davon, da ich ja doch noch viel weiter wollte und die beiden eindeutig zu langsam waren.
In Moratinos, 9 Km vor Sahagún drohte allerdings ein heftig dunkles Gewitter auszubrechen, fiese schwarze Wolken hatten sich zusammen gezogen und es donnerte und grollte recht grauselig, also kehrte ich in der Herberge ein, die auch eine Bar betrieb. Dort traf ich einen Bekannten (wen ich dort traf, schrieb ich nicht auf, das war damals nicht nötig, die Erinnerung sehr frisch und im Juli hätte ich mich sicher noch prima erinnern können, wenn ich mich an meinen geplanten Text über den Weg gemacht hätte, bisher hatte ich mich immer auf mein Gedächtnis verlassen können, zumindest wenn nur so kurze Zeit zwischen Erleben und Auswerten liegen würde, heute weiß ich, dass es jemand war, mit dem ich schon gemeinsam gefrühstückt oder zu Abend gegessen hatte, dass er sehr nett war und dass es sich ansonsten noch nicht ergeben hatte, wirklich längere Zeit miteinander zu verbringen. Ich beschloss also, ein Bier mit ihm zu trinken und das Gewitter abzuwarten - nachdem das Wetter aber immer bedrohlicher wurde, blieb ich dann doch (ja, inzwischen waren Sabine und Bob auch angekommen, hatten in der selben Herberge eingecheckt und durch Zufall fand ich dann ein Bett im selben Zimmer wie Sabine und bis spät abends sah es so aus, als wären wir die einzigen Gäste in dem Zimmer ;-).
Es bildete sich eine nette Gruppe mit Tom, Heinz, dem anderen Heinz, Bob, Sabine und mir - inclusive einer langen Diskussion um Glauben und philosophische Fragen, in der ich den negativen Rationalisten spielte, den, der alles Positive aus rationalen Gründen nicht akzeptiert, und es machte viel Spaß, mit Bob zu diskutieren, der wirklich sehr interessante Ideen und Argumente hatte, auf die ich aber auch immer wieder kontern konnte (aufgeschrieben habe ich mir, dass ich jene Rolle einnahm, worum es ging habe ich nicht geschrieben, erinnere ich leider auch nicht, aber ich weiß, dass es ein Gespräch hauptsächlich zwischen mir und Bob war, sehr philosophisch und gleichzeitig auch lustig, dass die anderen aber auch dabei waren und sich niemand langweilte oder so. Und ich weiß, dass wir alle nicht gerade wenig tranken und dass es zusehends kühler wurde.
Sabine und ich entschieden zur gleichen Zeit, ins Bett zu gehen, und als wir dann tatsächlich brav in einem Zimmer in unseren Betten lagen, ergab es sich, dass sie eine Gutenachtgeschichte erzählen musste - ich weiß nicht mehr, warum, aber ich weiß, dass der andere Heinz, als er dann auch noch in unser Zimmer kam, irgendwie störte.

Strecke: ca. 29 Km durch sanft gewellte Landschaft mit Höhenunterschieden von insgesamt höchstens 60 Metern
Wetter: zunächst heiß, windstill, sonnig, zunehmend bewölkt, starkes, wenn auch nur kurzes Gewitter am Nachmittag, dann Wetterberuhigung
allgemeine Befindlichkeit: gut, Knie und Schienbeine waren zwar noch zu spüren, aber nicht mehr schlimm.
Besonderes: Morgens noch S. Geburtstag erinnert, später dann vergessen und schändlicherweise nicht angerufen!!
also erinnert mich an S.., wenn ihr das hier lest und später die Möglichkeit habt, mich wirkungsvoll zu erinnern, habe ich doch voriges Jahr tatächlich auch meinen eigenen Geburtstag vergessen und dieses Jahr schon den einen und anderen ... ;-)

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